InfluencerInterview

Melina Mayer verbindet Menschen durch Bücher

Lesen beginnt oft ganz still. Ein Buch, ein Zimmer, ein paar freie Stunden und das Gefühl, kurz in einer anderen Welt zu verschwinden. Für Melina Mayer war genau dieses stille Lesen lange vertraut, bis Bookstagram aus der privaten Leidenschaft etwas Größeres machte: Austausch, Freundschaften, gemeinsame Leserunden und eine neue Nähe zu Geschichten.

Heute liest Melina Mayer bewusster, vielfältiger und mit einem klaren Blick für Themen, die nachwirken. Besonders Bücher mit Schwere, gesellschaftlicher Relevanz und emotionaler Tiefe bleiben ihr im Kopf. Im Interview erzählt sie, warum Bookstagram ihre Lesewelt verändert hat, weshalb sie auch Backlist-Titel sichtbar halten möchte und warum Zahlen nie wichtiger werden sollten als echte Verbindung.

Melina Mayer im Interview

Interview Melina Mayer

Wie kamst du zu Bookstagram und wann wurde Lesen für dich mehr als ein Hobby?

Ich habe schon als Kind und Jugendliche gerne gelesen. Die Leidenschaft, wie ich sie heute auslebe, wurde aber tatsächlich erst im ersten Lockdown so richtig entfacht. Plötzlich hatte ich mehr Zeit und konnte neben Studium und Arbeit wieder deutlich mehr lesen.

Bis dahin habe ich vor allem Thriller und Young Adult gelesen. Irgendwann hatte ich aber das Gefühl, dass ich in beiden Genres nicht mehr das gefunden habe, was mich wirklich begeistert. Eher zufällig bin ich dann auf Bookstagram gestoßen und damit auf die Welt der Belletristik und Gegenwartsliteratur.

Auf einmal habe ich Bücher entdeckt, die ganz anders waren als das, was ich bisher gelesen hatte. Ich hatte wieder riesigen Spaß am Lesen und am Entdecken neuer Bücher und Autorinnen. Das war quasi der Startschuss für meine Leidenschaft.

Gleichzeitig habe ich den Austausch auf Bookstagram geliebt. Zu sehen, wie andere Bücher erleben, hat mich sofort abgeholt. Deshalb habe ich im Herbst 2020 ganz spontan meinen eigenen Account erstellt.

Wie wählst du deine Bücher aus – eher spontan wegen Cover, Klappentext oder Empfehlungen?

Ein schönes Cover sorgt auf jeden Fall dafür, dass ein Buch meine Aufmerksamkeit bekommt und auf meiner Wunschliste landet. Das Gleiche gilt für persönliche Empfehlungen, wobei ich sehr gehypte Bücher meistens lieber mit etwas Abstand lese.

Wenn mich ein Buch auf den ersten Blick anspricht, lese ich den Klappentext und schaue tatsächlich auch immer auf die Seitenzahl. Bücher mit mehr als 400 Seiten haben es bei mir eher schwer. Ich versuche zwar immer mal wieder, auch dickeren Büchern eine Chance zu geben, und bereue das im Nachhinein eigentlich nie. Trotzdem greife ich im Alltag meistens lieber zu etwas Dünnerem.

Gefällt mir ein Titel, landet er erst einmal auf meiner Wunschliste. Mein SuB ist relativ klein, weil ich Bücher meist erst kaufe, wenn ich sie auch zeitnah lesen kann. Meine Wunschliste sortiere ich regelmäßig aus. Die Bücher, die dann tatsächlich bei mir einziehen, lese ich meistens in einer mehr oder weniger festgelegten Reihenfolge.

Weil sie nicht ewig ungelesen herumstehen, habe ich auf die meisten auch wirklich Lust und plane grob, was ich in den kommenden Wochen oder Monaten lesen möchte.

Welche Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?

Ich neige dazu, Bücher mit einer gewissen Schwere zu lesen. Nicht selten beschäftigen sich diese mit Themen wie Gewalt an Frauen, unerfülltem Kinderwunsch oder anderen schwierigen Lebensrealitäten. Solche Bücher sind die, die mich am meisten berühren und die mir lange im Kopf bleiben.

Natürlich würde ich nicht sagen, dass ich solche Themen „gerne“ lese. Aber ich finde, Bücher schaffen es oft, Themen greifbar zu machen, über die sonst viel zu wenig gesprochen wird. Sie erinnern mich daran, wie wichtig es ist, hinzuschauen und darüber zu sprechen. Und trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Schwere gehören viele dieser Bücher zu den besten und eindrücklichsten Geschichten, die ich gelesen habe.

Melina Mayer liest nicht mehr allein

Zitat Melina Mayer

Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab? Wenn ja, wann entscheidest du das?

Ich würde gerne sagen, dass ich regelmäßig Bücher abbreche. Tatsächlich passiert das aber nur sehr selten. Wenn ich bereits viel Zeit mit einem Buch verbracht habe, fühlt sich ein Abbruch für mich oft wie verschwendete Zeit an und ich lese es lieber zu Ende.

Ich weiß, dass diese Logik eigentlich keinen Sinn ergibt. Deshalb versuche ich inzwischen bewusster, Bücher auch mal abzubrechen. Dieses Jahr habe ich immerhin schon zwei Bücher abgebrochen – für meine Verhältnisse ist das schon viel.

Bei Hörbüchern sieht das allerdings ganz anders aus. Die breche ich überraschend oft ab, wenn sie mich nicht fesseln.

Wie hat BookTok oder Bookstagram deine eigenen Lesegewohnheiten verändert?

Seit ich selbst auf Bookstagram aktiv bin, beschäftige ich mich viel mehr mit Neuerscheinungen und Vorschauprogrammen. Früher hat mich das überhaupt nicht interessiert.

Trotzdem versuche ich ganz bewusst, neben einigen ausgewählten Neuerscheinungen auch viele Bücher von meiner Backlist zu lesen. Es gibt so viele großartige Titel, die bereits vor Jahren erschienen sind. Auf den schnelllebigen Plattformen geraten sie aber oft in Vergessenheit, sobald der erste Hype vorbei ist.

Was sich ebenfalls verändert hat: Ich lese heute viel häufiger gemeinsam mit anderen Menschen und tausche mich darüber aus. Früher war Lesen etwas, das ich allein in meinem Zimmer gemacht habe. Heute gehören Gespräche mit Freundinnen, Buchclubs, gemeinsame Leserunden und der Austausch über Bücher ganz selbstverständlich dazu.

Genau das macht Bookstagram für mich zu etwas sehr Besonderem.

Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok-Creators geben?

Habt Spaß und versucht euch nicht ständig mit anderen zu vergleichen. Und auch wenn es manchmal schwerfällt: Versucht, nicht zu sehr auf die Zahlen zu schauen.

Natürlich könnte auch ich vermutlich mehr Follower haben, wenn ich häufiger posten, mehr Reels erstellen oder mehr Trends mitmachen würde. Aber für mich ist Bookstagram ein Hobby und ich möchte die wenige Zeit, die ich dafür habe, vor allem genießen.

Für mich ist Bookstagram vor allem ein Ort, an dem Freundschaften entstanden sind, an dem ich mich austauschen kann und an dem ich Menschen mit derselben Leidenschaft kennengelernt habe. Deshalb wäre mein wichtigster Tipp: weniger auf die Zahlen schauen und mehr den Austausch genießen. Jede Person, die einen auf dieser Reise begleitet, Rezensionsexemplare, die einem zugeschickt werden, oder Buchmessen sind einfach ein ganz toller Bonus.


Wer noch mehr von Melina Mayer lesen möchte, findet auf Instagram unter anderem ihren Beitrag zum Black History Month sowie eine aktuelle Rezension. Einen persönlichen Einblick in eine Lesung gibt es außerdem in ihrem Vlog unter.

Antwort verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mehr in:Influencer

Next Article:

0 %