Bookstagram muss nicht glatt, perfekt und durchgeplant sein. Manchmal sind es gerade die chaotischen Momente, die Bloopers, die ehrlichen Reaktionen und die kleinen Unperfektheiten, die einen Account lebendig machen. Genau dort entsteht Nähe, weil Menschen nicht nur Bücher sehen wollen, sondern Persönlichkeit.
Samantha-Josefine Cracau bringt genau diese Mischung in ihre Buchwelt. Sie liebt Dark Romance, Fantasy, schöne Cover und Geschichten, die sie emotional an Figuren binden. Im Interview erzählt die Bloggerin, wie eine Lesung ihre Reise in die Bookbubble ausgelöst hat, weshalb Chaos für sie Authentizität bedeutet und warum ein Buch sie vor allem dann überzeugt, wenn es sie auch abseits der Seiten nicht mehr loslässt.
Interview mit Samantha-Josefine Cracau
Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?
Tatsächlich habe ich im Kindesalter immer mal wieder phasenweise gelesen, aber es galt die Grundregel: Wenn ich dazu gezwungen werde (wie z.B. im Deutschunterricht), habe ich es gehasst… Bücher, die wir für die Schule lesen mussten, habe ich fast nie rechtzeitig beendet.
Während der Abizeit habe ich dann erste Berührungspunkte mit Genres gehabt, die ich heute Liebe. Aber durch andere Hobbies ist das Interesse am Lesen schnell wieder verflogen. Bis ich nach einer ewig langen Leseflaute schlussendlich einen Anstoß bekam und dabeigeblieben bin.
Als ich dann zu meiner ersten Lesung gefahren bin, habe ich tatsächlich auch das erste Mal die Bookbubble kennen und lieben gelernt und schlussendlich meine Leidenschaft in Bildern und Texte umgesetzt.
Gibt es ein Buch, das dich besonders geprägt hat oder dich „in die Bücherwelt gezogen“ hat?
Wie vorher schon erwähnt habe ich mit Start meines Blogs einen „Anstoß“ bekommen. Das habe ich „Sounds of Silence“ von Maren Vivien Haase zu verdanken. Das Buch hat mich positiv beeindruckt und dadurch war meine Leseflaute verflogen.
Während meiner intensiven Lesezeit während des Abis habe ich aber auch die „After“-Reihe von Anna Todd vergöttert. Auch wenn viele Hardin Scott als problematisch ansehen, ist er einer der tollsten Charaktere, die ich bisher lesen und kennenlernen durfte, weil ich seine Entwicklung unfassbar finde.
Wie wählst du deine Bücher aus – eher spontan wegen Cover, Klappentext oder Empfehlungen?
Ich denke, ich bin da ein schlechtes Vorbild, weil ich oft Bücher nach Covern, Charakterkarten oder Spezialaktionen wie Signierbestellungen kaufe. Die Klappentexte sind dabei eher nebensächlich geworden. Bei Büchern, die den Social-Media-Hype erleben bin ich ehrlicherweise eher zurückhaltend, da ich einfach eine Riesenangst vor Enttäuschungen habe.
Welche Genres oder Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?
Ich liebe grundsätzlich die Genres „Dark Romance“ und „Fantasy“. Die Mischform ist in meinen Bücherregalen auch viel vertreten. Dinge wie Kannibalismus kann selbst ich nicht lange aushalten. Da ist tatsächlich eine Grenze gesetzt. Ich habe sogar lange „Sports-Romance“ gemieden, bis ich die ein oder andere Geschichte gehört oder gelesen habe und mein Herz nun auch einen kleinen Platz für z.B. Hockeyspieler frei hat.
Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab? Wenn ja, wann entscheidest du das?
Wenn es nicht vorangeht und ich das Gefühl habe, das halbe Buch ist nichts Produktives passiert, breche ich auch mal ein Buch ab. Auch bei Schreibstilen, mit denen ich nicht warm werde, weil mir z.B. der Satzbau nicht gefällt, haben irgendwann ihre Grenze erreicht. Bei Rezensionsexemplaren ist es (Gott sei Dank) noch nicht so häufig passiert.
Samantha-Josefine Cracau bleibt herrlich ehrlich
Welche Autor:innen hast du zuletzt neu entdeckt und was begeistert dich an ihnen?
Ich habe vor Kurzem das neue Buch von Saskia Louis „All die Farben zwischen uns“ gelesen. Das Buch selbst hat mir viel Lesespaß bereitet, weil es sowohl Emotionalität als auch Humor beinhaltet.
Außerdem ist ihr Schreibstil flüssig, sodass man durch das Buch fliegt, ohne wirklich zu merken, wie lange man schon am Lesen ist. Ich habe Saskia durch Zufall auf der Leipziger Buchmesse 2026 getroffen und sie direkt als sehr herzliche, humorvolle und insgesamt sympathische Person kennengelernt.
Wie und warum hast du deinen Bookstagram- oder BookTok-Account gestartet?
Bei der ersten Lesung, die ich allein besucht habe, habe ich ganz nette Mädels kennengelernt, die mich inspiriert haben. Sie haben selbst auch Accounts auf einigen Plattformen.
Als mein Partner dann auch noch sagte „Mach doch einfach“, habe ich es genauso auch umgesetzt. Ich habe einfach gestartet und gezeigt, was ich wollte.
Wie hat BookTok oder Bookstagram deine eigenen Lesegewohnheiten verändert?
Durch die Rezensionsexemplare und damit auch Verpflichtungen den Autor*innen oder Verlagen gegenüber ist meine Leseaktivität natürlich deutlich angestiegen. Ich lese regelmäßiger und habe auch meine Lieblingsgenres gefunden, die ich problemlos und ohne Angst vor Leseflauten lesen kann.
Was macht für dich einen Account wirklich interessant – was bringt dich dazu, jemandem zu folgen?
Ich liebe Chaos. Das spiegelt für mich Authentizität wider. Wenn ich Videos sehe, die Bloopers zeigen oder einfach Dinge nicht so laufen, wie sie sollten, empfinde ich das als sympathisch. Das spiegelt nämlich auch meinen Account wider. Ebenso gefallen mir selbstgeschossene Bilder. Mein Herz schlägt neben Büchern auch für Fotografie und Menschen, die ihre Beiträge selbst fotografieren und damit Kreativität zeigen, haben einen besonderen Platz in meinem Herzen.
Was bringt dich dazu, ein Buch sofort kaufen oder lesen zu wollen?
In erster Linie: das Cover. Wenn das Cover mich nicht überzeugt, sinkt mein Interesse. Das ist leider eine schlechte Angewohnheit unserer schnellen Gesellschaft. Davon abgesehen, kaufe ich Bücher blind von meinen Lieblingsautor*innen.
Wenn ich bereits Geschichten von Personen kenne und liebe, fasse ich so viel vertrauen, dass ich keine weitere Werbung oder den Klappentext brauche, um mich für einen Kauf zu entscheiden. Das Buch landet direkt in meinem Warenkorb!
Was überzeugt dich, ein Buch aktiv weiterzuempfehlen oder darüber Content zu machen?
Ein Buch sollte immer flüssig sein. Wenn ich lange brauche und irgendwann das Gefühl bekomme, dass es nicht vorangeht, obwohl ich schon seit Stunden dran sitze, steigt die Gefahr, dass ich abbreche. Also sollte alles flüssig und stimmig sein. Ich liebe Humor also ist das auch immer ein Indikator, dass ich mich in die Geschichte verlieben könnte.
Aber der wichtigste Grund ist die Tiefe der Bindung, die ich zu den Charakteren aufbaue. Eine Geschichte, die mich ins Geschehen hineinzieht und an die ich immer wieder denken muss, auch wenn ich sie nicht aktiv lese, ist definitiv eine Empfehlung wert!
Außerdem bin ich eine aufmerksame Leserin, weshalb mir Teaser/Easter Eggs schnell auffallen. Demnach überrascht mich oft der Plot nicht so, wie er eigentlich sollte. Wenn ein Buch es schafft, mich zu überrumpeln, weil etwas Unerwartetes passiert, gehört es definitiv auf meine Empfehlungsliste!
Welche Art von Kooperationen mit Autor:innen oder Verlagen findest du spannend und welche eher nicht?
Wenn die Organisation und die Informationsgabe verlässlich sind, ist es mir tatsächlich egal, ob ich die Kooperation mit dem Verlag oder mit dem/der Autor*in habe.
Der Vorteil beim Verlag ist, dass neben den Rezensionsexemplaren auch Zugang bzw. Chancen auf Einlass bei Events bestehen. Diese sind oft ausschließlich für Blogger gedacht, weshalb solche Veranstaltungen immer besonders sind.
Wenn man eine direkte Kooperation mit Autor*innen hat, ist es nochmal spannender, weil man direktes Feedback während der Lesezeit geben kann. Außerdem werden die Blogger auch gerne in Entscheidungssituationen einbezogen wie z.B. bei der Charakterkartengestaltung oder bei potenziellen Szenen, die in den Folgebänden erscheinen könnten.
Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok-Creators geben?
Nummer eins: Mach einfach. Du hast Interesse? Starte einfach und schau, was daraus wird.
Nummer zwei: Mach das, worauf DU Lust hast! Es ist egal, ob dir 5, 200 oder 20.000 Menschen dabei zuschauen. DU „opferst“ deine Freizeit und solltest demnach das Zeigen, Lesen und Bewerben, was DU liebst.
Nummer drei: Lass dich von anderen inspirieren, aber kopiere NIEMALS. Zuschauer wollen DICH sehen. Deine Art. Deinen Humor. Das kannst du nur, indem du DEINEN Weg findest. Inspiration ist gut, Kopie ist langweilig. Sei einzigartig. Sei ehrlich.
Was ist der ungewöhnlichste Ort, an dem du jemals gelesen hast?
Ich würde sagen ganz unspektakulär: Auf der Arbeit während meines Nachtdienstes im Krankenhaus (keine Sorge, zu den Zeiten hatte ich natürlich gerade keine Patienten!)
Wenn du selbst ein Buch schreiben würdest – worum würde es gehen?
Puhhh. Ich glaube, das ist tatsächlich die schwierigste Frage…
Manchmal habe ich sehr skurrile Träume, die ich irgendwann angefangen aufzuschreiben, da sie den einen oder anderen Grundbaustein für eine Geschichte geben könnten.
Es könnte also entweder um einen Weltuntergang gehen oder wir landen direkt in einer Dystopie. Vermutlich wären wir dann also eher im Fantasybereich unterwegs.
Mehr von Samantha-Josefine Cracau gibt es auf Instagram und TikTok. Dort teilt sie Buchmomente, ehrliche Empfehlungen und jede Menge Bookish Chaos für alle, die Geschichten mit Biss lieben.














