InfluencerInterview

Alexandra Probst liest nach eigenem Kompass

Nicht jede Buchliebe braucht Reels, Trends und schnelle Hypes. Manche wächst langsamer, tiefer und bleibt genau deshalb über Jahre lebendig. Alexandra Probst gehört zu den Buchmenschen, die noch ganz bewusst auf klassische Buchblogs, ehrlichen Austausch und ausführliche Rezensionen setzen.

Seit 2013 begleitet sie Bücher nicht nur lesend, sondern auch schreibend auf ihrem Blog. Ihr Geschmack ist breit, aber klar: High Fantasy, Thriller, Krimis, Science Fiction und gesellschaftliche Themen ziehen sie immer wieder an. Im Interview erzählt Alexandra Probst, warum sie Romantasy eher kaltlässt, weshalb Freundschaften in Fantasygeschichten mehr Raum verdienen und weshalb ein gutes Buch für sie nicht nur gefallen, sondern auch etwas auslösen darf.

Alexandra Probst im Interview

Interview Alexandra Probst

Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?

Ich habe schon in der Grundschule gerne und viel gelesen, angefangen vor allem mit den Büchern von Enid Blyton, also die Hanni und Nanni Bücher, Dolly, die Abenteuerreihen wie die Schwarze Sieben. Was die meisten heute wahrscheinlich gar nicht mehr kennen 🙂

Dann ging es in meiner Jugend recht schnell mit Stephen King weiter – nach Kinder/Familienpause ging es dann so richtig los im Jahr 2013 mit meinem Buchblog. Mich zusätzlich zum Lesen mit anderen auszutauschen macht mir seither immens viel Spaß!

Besonders schön ist, dass sich im Laufe der Jahre tolle Buchfreundschaften zwischen uns Bloggern entwickelt haben und wir viele gemeinsame Aktionen starten und einige sich auch regelmäßig im realen Leben treffen.

Wie wählst du deine Bücher aus – eher spontan wegen Cover, Klappentext oder Empfehlungen?

Ich bin tatsächlich ein Cover-Mensch 😊 Wenn mich ein Cover anspricht, schaue ich mir das Buch näher an und wenn es zu meinen Genre-Vorlieben passt, schaue ich mir dann auch Rezensionen dazu näher an. Hauptsächlich dann tatsächlich bei anderen Buchblogs oder auf Goodreads.

Welche Genres oder Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?

Ich lese ja sehr breit gefächert und liebe High Fantasy sehr, aber auch Thriller und Krimis, Science Fiction, Dystopien oder gesellschaftliche Themen. Was ich gar nicht mag, ist der Romantasy-Trend, der mittlerweile schon einige Zeit anhält. Früher hätte man das ganze schlicht „Erotik Romane“ genannt, aber ich kann mit Liebesgeschichten einfach nichts anfangen, in denen geschmachtet wird und der Verlauf von vornherein klar ist.

Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab? Wenn ja, wann entscheidest du das?

Ich breche Bücher auch ab – allerdings mittlerweile eher selten, weil ich eine recht gute Vorauswahl treffe. Das kann unterschiedliche Gründe haben.

Manchmal merke ich schon auf den ersten Seiten, dass der Schreibstil extrem platt ist, schon die ersten Logikfehler auftauchen oder es extrem kitschig geschrieben ist. Das alles mag ich gar nicht.

Meistens versuche ich aber zumindest 1/3 des Buches zu lesen bzw. bis 100 Seiten, damit ich einen adäquaten Eindruck bekomme – und wenn es mich bis dahin nicht begeistern kann bzw. ich merke, dass ich mich zum weiterlesen „zwingen“ muss, dann lass ich es lieber sein.

Wie hat BookTok oder Bookstagram deine eigenen Lesegewohnheiten verändert?

Ich bin ja oldschool ein Buchblogger und auch nur auf anderen Buchblogs unterwegs. Das schnelllebige Prinzip auf Instagram mag ich nicht und bei TikTok hab ich nicht mal einen Account 😉

Mein Blog hat meine Lesegewohnheiten dahingehend verändert, dass ich definitiv mehr lese und mich intensiver mit den Büchern beschäftige. Alleine dadurch, dass ich Rezensionen schreibe

Alexandra Probst vertraut ihrer Vorauswahl

Zitat Alexandra Probst

Was macht für dich einen Account wirklich interessant – was bringt dich dazu, jemandem zu folgen?

Ich mag den Austausch und die Authentizität. Es muss gar nicht immer ein ähnlicher Buchgeschmack sein, denn ich probiere auch gerne mal etwas aus, das ich bisher nicht so im Fokus hatte.

Deshalb folge ich auch gerne Blogs, die mir auch mal Bücher außerhalb meiner Komfortzone zeigen.

Wenn ich merke, dass da nur oberflächlich geschrieben wird und keine Kommentare bzw. Antworten auf meine Kommentare kommen, also kein Miteinander entsteht, bin ich dort auch schnell wieder weg.

Was überzeugt dich, ein Buch aktiv weiterzuempfehlen oder darüber Content zu machen?

Hm, also an sich möchte ich über jedes Buch berichten, das ich gelesen habe. Denn irgend etwas daran hat mich ja neugierig gemacht und ich möchte meine Meinung gerne teilen.

Natürlich am liebsten wenn es mir gefallen hat, weil ich es dann natürlich empfehlen möchte und andere animieren, es ebenfalls damit zu versuchen 😊

Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok-Creators geben?

Wie gesagt, bin ich hier eher konservativ unterwegs mit meinem Blog … Ich weiß nicht wirklich, was auf Insta oder TikTok gewünscht ist oder was im Trend liegt.

Ich denke, dass es authentisch sein sollte, was man ins Netz stellt und ich möchte die Liebe zu Büchern spüren und nicht nur ein „gesehen werden wollen“ mit zig Posts ohne wirklichen Inhalt. Liken, reposten und kommentieren ist auf Insta für mich eine gute Wertschätzung, die man auch prima weitergeben kann.

Wenn du selbst ein Buch schreiben würdest – worum würde es gehen?

Das wäre definitiv eine Geschichte im High Fantasy Bereich, in der es um Freundschaften geht und natürlich Magie, Kämpfe, Intrigen usw., aber eben hauptsächlich Freundschaften, weil ich finde, dass diese momentan immer zu kurz kommen. Beziehungen sind super, aber Freundschaften sind ebenso wichtig und werden viel zu unterschätzt.

Gibt es ein Buch, das dich besonders geprägt hat oder dich „in die Bücherwelt gezogen“ hat?

Besonders geprägt hat mich tatsächlich Ismael von Daniel Quinn. Dieser Blick auf unsere Gesellschaft und ihre Entwicklung hat mein Denken total verändert.

Die Bücher von Andreas Eschbach kann ich ebenfalls absolut empfehlen und da ist ein ganz besonderes Highlight das ich immer wieder gerne empfehle: Eines Menschen Flügel. Der Entwurf dieser „weiter“ entwickelten Gesellschaft ist so originell und voller Tiefe dass es eins der besten Bücher ist die ich gelesen hab.

In letzter Zeit sind mir zwei Autorinnen aufgefallen, die ganz tolle Kinder/Jugendbücher schreiben, die leider nur teilweise ins deutsche übersetzt wurden, die aber großartig sind, sich vom üblichen Schema absetzten und anspruchsvoll geschrieben sind, so dass sie sich definitiv auch für Erwachsene lohnen: Frances Hardinge und Kate Milford 😊

 

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