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Jess Manora liest für große Gefühle

Manchmal beginnt Buchliebe nicht mit einem Roman, sondern mit einem Manga im Buchladen. Bei Jess Manora war es Inuyasha Band 10, den sie als Kind aus Langeweile aufschlug und noch am selben Tag verschlang. Aus diesem Moment wurde eine Leseliebe, die später durch Romantasy, Romance und Bookstagram ihren eigenen Platz gefunden hat.

Heute sucht Jess Manora vor allem Geschichten, die etwas auslösen. Bücher dürfen unterhalten, berühren, sensibilisieren und Sehnsucht wecken. Im Interview erzählt sie, weshalb Lovestorys für sie fast immer dazugehören, warum sie ihre Lesezeit bewusst schützt und wie Bookstagram aus einem digitalen Lesetagebuch zu einem Ort voller Austausch, Emotionen und echter Community wurde.

Interview mit Jess Manora

Interview Jess Manora

Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?

Ich glaube, ich müsste fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein. Mein Stiefvater hat mich mit in die Buchhandlung genommen und ich habe aus Langeweile angefangen einen Manga zu lesen. Das war Inuyasha Band 10.

Ich war so fasziniert davon, dass ich die Hälfte gelesen habe, bis mein Stiefvater fertig wurde. Er hat mir diesen Manga im Anschluss gekauft und ich habe es noch während der Autofahrt ausgelesen. Dann habe ich es immer und immer wieder erneut gelesen. Da hat meine Liebe fürs Lesen so langsam angefangen.

Gibt es ein Buch, das dich besonders geprägt hat oder dich „in die Bücherwelt gezogen“ hat?

Da gibt es tatsächlich so viele! Obsidian von Jennifer L. Armentrout hat mich dazu inspiriert, meine Liebe zum Lesen online zu teilen. Dort ist die Protagonistin nämlich auch Buch-Bloggerin. Damals vor knapp 8-9 Jahren hatte ich nicht mal geahnt, dass es so etwas gibt.

Es waren vor allem Romantasy Bücher, die mich in die Bücherwelt gezogen haben. Rubinrot von Kerstin Gier, Frostkuss von Jennifer Estep sind so ein paar davon.

Andere Bücher vor allem aus dem Romance-Spektrum haben mich empathischer gemacht, mir beigebracht, dass jede Geschichte zwei Seiten hat und mich für viele Themen sensibilisiert wie z.B. Häusliche Gewalt, die Sensibilität von Themen wie Kinderwünschen und Schwangerschaften, aber auch Sexualität und Geschlechtsidentität.

Erst kürzlich habe ich „The Last Kiss of Summer“ gelesen und mir wurde das erste Mal so richtig klar, wie schrecklich obsessiv die Gesellschaft damit ist, nicht älter auszusehen. Während ein Kind oder Teenager mit einer tödlichen Krankheit sich ausmalt und davon träumt, wie er oder sie mit Falten aussehen könnte.

Wie wählst du deine Bücher aus – eher spontan wegen Cover, Klappentext oder Empfehlungen?

Meistens nach meinem Mood, also wonach mir gerade ist. Empfehlungen beeinflussen mich auf jeden Fall auch bis zu einem gewissen Grad.

Klappentexte lese ich nur noch selten, weil ich mich lieber komplett überraschen lassen möchte. Ein hübsches Cover ist ein Bonus, aber nicht der ausschlaggebende Punkt.

Welche Genres oder Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?

Ich liebe Geschichten, die eine Lovestory als Plott beinhalten. Deshalb komme ich vor allem immer wieder zu Romance und Fantasy beziehungsweise Romantasy zurück. Es gibt aber auch mittlerweile Genre Mischungen wie Romantic-Suspense, die aus dem Mix von Romance und Krimi oder Thriller-Elementen bestehen.

Ich bin grundsätzlich immer offen, Neues zu probieren und habe vermutlich alle Genre schon mal getestet. Mit klassischen Thrillern oder Krimis bin ich nur leider nie warm geworden. Die schaue ich aber gerne als Filme oder Serien.

Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab? Wenn ja, wann entscheidest du das?

Bücher abbrechen zu können ist so wichtig! Niemand sollte sich durch ein Buch quälen, das keine Unterhaltung bereitet. Vor allem, wenn es keine Lektüre für die Schule ist, von der eine Note abhängt. Es gibt da draußen so viele gute Bücher und täglich erscheinen neue. Warum also die Zeit verschwenden?

Wann ich ein Buch abbreche, ist unterschiedlich. Manchmal merkt man es schon nach wenigen Seiten. Oftmals erst nach der Hälfte des Buches. Ich vertraue da ein bisschen auf mein Bauchgefühl.

Wenn ich jedoch unbedingt wissen muss, wie es endet, dann skippe ich durch die Dialoge oder lese die letzten Seiten für meinen Seelenfrieden.

Jess Manora vertraut dem Bookish Bauchgefühl

Zitat Jess Manora

Welche Autor:innen hast du zuletzt neu entdeckt und was begeistert dich an ihnen?

Magdalena Gammel, ihr Buch „Tale of Sun and Night“ hat mich so sehr aus den Socken gehauen. Ich bin noch immer fasziniert von der Geschichte, dem Schreibstil, ihrem Worldbuilding und den Plot Twists.

Ich kann den zweiten Band kaum erwarten. Dann wäre da noch Jessica M. Felleman ihr Debüt hat mich so sehr zum Weinen gebracht, dass ich noch immer ein Ziehen in meiner Brust spüre, wenn ich an die Geschichte denke.

Wie und warum hast du deinen Bookstagram- oder BookTok-Account gestartet?

Ich wollte nur ein digitales Tagebuch für die Bücher, die ich gelesen habe, führen. Mein Verlobter hat zwar immer versucht, mir aufmerksam zuzuhören, aber eines Tages ist mir klar geworden, dass er mir einfach nicht mehr folgen konnte.

Meine Gedanken mussten aber irgendwie raus, also habe ich einfach angefangen.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich auch noch die Obsidian-Reihe von Jennifer L. Armentrout gelesen, in dem die Protagonistin einen Buchblog führt. Dann habe ich Bookstagram entdeckt und relativ schnell gemerkt, dass ich ein Teil davon sein will und dass ich auch Beiträge kreieren will, die Menschen begeistern und inspirieren.

Wie hat BookTok oder Bookstagram deine eigenen Lesegewohnheiten verändert?

Ich lese seitdem viel mehr und regelmäßiger. Mittlerweile gibt es keinen Tag mehr, an dem ich nicht wenigstens ein paar Zeilen gelesen habe. Ich achte mehr darauf, meine Zeit fürs Lesen zu priorisieren.

Kein stundenlanges Doom Scrolling auf Social Media oder den halben Tag vor dem Fernseher hängen. Ich habe immer ein Buch oder meinen Kindle dabei und um meine Handy-Routine aufzubrechen, habe ich es mit meinem E-Reader während der Schlafenszeiten ersetzt.

Vor dem Schlafengehen und nach dem Wach werden greife ich zuerst nach meinem Kindle, lese ein paar Zeilen oder Seiten zum Einschlafen oder wach werden, statt meine Benachrichtigungen oder Social Media zu checken.

Was macht für dich einen Account wirklich interessant – was bringt dich dazu, jemandem zu folgen?

Die Menschen dahinter. Selbst wenn unser Lesegeschmack nicht der gleiche ist, würde ich jemandem folgen, den ich inspirierend oder sympathisch finde. Ich bin aber auch ein großer Fan von Accounts, die eine gute Laune machen.

Manche Menschen haben einfach eine Ausstrahlung, der man nicht widerstehen kann und die möchte unbedingt in meinem Feed sehen und mit ihnen über Bücher quatschen.

Was bringt dich dazu, ein Buch sofort kaufen oder lesen zu wollen?

In der Regel sind es die Geschichten, die mein Interesse wecken müssen. Oftmals sind es aber auch die Personen hinter den Büchern. Kim Leopold und Julia Pauss zum Beispiel. Ich kannte die beiden oder ihre Bücher vorher nicht, bis ich sie auf einer Buch-Veranstaltung kennengelernt habe.

Ihre Ausstrahlung und die Art und Weise, wie sie über ihre Bücher gesprochen haben, fand ich direkt sympathisch und von ihren Büchern wurde ich auch nicht enttäuscht.

Jess Manora

Was überzeugt dich, ein Buch aktiv weiterzuempfehlen oder darüber Content zu machen?

Die Emotionen, die es in mir auslöst. Wenn es mich dazu bringt etwas zu fühlen, das eben keine Langeweile oder Genervtheit ist, dann empfehle ich es gerne weiter. Manche Geschichten lösen einfach dieses Gefühl, aus dem man über sie sprechen muss.

Manchmal in der Hoffnung, um Gleichgesinnte zu finden, manchmal weil es eine bewegende oder wichtige Message hat, aber auch weil es unterhalten konnte und das ist für mich so ziemlich das Wichtigste.

Welche Art von Kooperationen mit Autor:innen oder Verlagen findest du spannend und welche eher nicht?

So ziemlich alle, wenn ich ehrlich sein soll. Ich liebe es, mit Autor:innen oder Verlagen zusammenarbeiten zu können, egal in welcher Form. Besonders liebe ich es, Lesungen oder Panels moderieren zu dürfen. Ich liebe es, die Autor:innen näher an das Publikum durch meine Fragen bringen zu können.

Wovon ich kein Fan bin, sind Kooperationen mit zu engen Vorgaben in der Umsetzung. Das macht Content unauthentisch und unkreativ. Davon würde ich auch in der Regel abraten.

Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok-Creators geben?

Du machst deine eigenen Regeln für dich und deinen Account, niemand sonst. Du musst nicht in ein Schema X passen, um gesehen zu werden. Schau auf andere, um dich von ihnen inspirieren zu lassen und von ihnen zu lernen und nicht um dich zu vergleichen.

Was ist der ungewöhnlichste Ort, an dem du jemals gelesen hast?

Ein Beyoncé Konzert. Wir waren etwas zu früh da und haben gewartet, bis sie auftritt.

Wenn du selbst ein Buch schreiben würdest – worum würde es gehen?

Vermutlich würde ich über Familie schreiben, ein Konstrukt, das für die meisten Menschen so selbstverständlich ist, aber dennoch etwas ist, das viele Menschen nicht haben oder darauf verzichten müssen.

Entfremdung ist manchmal der gesündeste Weg für Seelenfrieden und wie man heilen kann und sich sein eigenes gesundes Umfeld aufbauen kann. Natürlich verbunden mit einer Liebesgeschichte.


Mehr von Jess Manora gibt es auf Instagram und TikTok für romantische Buchmomente, ehrliche Empfehlungen und ganz viel Bookish Gefühl.

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