InfluencerInterview

Andrea Harings liest gegen den Alltag

Manche Menschen lesen, um Zeit zu vertreiben. Andere schlagen ein Buch auf und verschwinden für ein paar Stunden in einer völlig anderen Welt. Gerade in einer Zeit, in der ständig etwas Aufmerksamkeit verlangt, wird genau das für viele immer wertvoller: abschalten, eintauchen und alles um sich herum vergessen.

Andrea Harings weiß genau, warum Fantasywelten, Romantasy und starke Geschichten so viele Menschen begeistern. Im Interview erzählt sie, weshalb Authentizität auf Bookstagram wichtiger ist als Perfektion, warum sie Bücher ohne schlechtes Gewissen abbricht und weshalb manchmal ein Handy, etwas Tageslicht und die eigene Begeisterung völlig ausreichen, um eine Community aufzubauen.

Interview mit Andrea Harings

Interview Andrea Harings

Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?

Ich habe schon als Kind sehr gerne und viel gelesen und alles verschlungen, was ich in die Hände bekommen habe. Ab der Oberstufe waren Partys aber erstmal wichtiger als Bücher und ich habe nur noch sehr sporadisch mal ein Buch in die Hand genommen.

Später wurde es dann wieder mehr, aber so richtig viel wurde es erst wieder während Corona. Zu der Zeit habe ich dann auch mit Bookstagram angefangen.

Gibt es ein Buch, das dich besonders geprägt hat oder dich „in die Bücherwelt gezogen“ hat?

Harry Potter hat schon einen ganz besonderen Stellenwert für mich, weil mich das ganze Universum mehr begeistert hat als alles je zuvor und mir die Geschichte zudem in einer schweren Zeit wirklich sehr geholfen hat.

In die Bücherwelt gezogen wurde ich allerdings schon viel früher, unter anderem von Hanni und Nanni und dem kleinen Vampir. Beide Reihen habe ich schon sehr oft komplett gelesen. Und auch die Geschichten von Astrid Lindgren haben mich früher sehr geprägt.

Wie wählst du deine Bücher aus – eher spontan wegen Cover, Klappentext oder Empfehlungen?

Coverkäufe gibt es bei mir fast gar nicht, ich entscheide hauptsächlich nach dem Klappentext, ob ich ein Buch lesen möchte oder nicht. Daneben gibt es noch einige Autor:innen, von denen ich blind alles kaufe. Zu ihnen zählen Sebastian Fitzek, Julia Dippel oder Elle Kennedy – Genre spielt hier also keine Rolle, wie man sieht.

Und ich lasse mich auch von anderen Bookstagram Accounts influencen.

Wenn ich weiß, dass ich generell einen recht ähnlichen Geschmack habe, dann lese ich auch mal ein Buch, zu dem ich alleine nicht gegriffen hätte. Oder das sogar außerhalb meiner Komfortzone liegt. Es gibt einige Bücher und Reihen, zu denen ich ohne Bookstagram niemals gegriffen hätte.

Welche Genres oder Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?

Ich lese hauptsächlich Romantasy, Romance und Thriller. Der Schwerpunkt wechselt dabei zwar immer mal wieder, meine Nummer 1 bleibt aber Romantasy. Was ich hauptsächlich vermeide, sind Geschichten aus dem echten Leben.

Lesen ist für mich ein Stück weit eine Flucht aus der Realität, da möchte ich mich nicht mit zu ernsten Themen befassen. Ausnahmen gibt es immer mal wieder, aber im Großen und Ganzen gilt bei mir: je fiktiver, desto besser. Das Fantasygenre ist dafür natürlich perfekt.

Andrea Harings

Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab? Wenn ja, wann entscheidest du das?

Ich breche Bücher auch ab, wobei es mir immer noch ziemlich schwerfällt. Aber wenn ich merke, dass ich mit dem Schreibstil nicht klarkomme, die Figuren zu stereotyp sind oder mir die Story nicht gefällt, dann breche ich ab.

Manchmal ist es auch nur der falsche Zeitpunkt und ich gebe Büchern später auch nochmal eine zweite Chance, aber generell bin ich dafür, Bücher abzubrechen. Die Zeit ist zu knapp für Bücher, die einem nicht gefallen.

Wie und warum hast du deinen Bookstagram- oder BookTok-Account gestartet?

Ich habe während der Pandemie angefangen, wieder mehr zu lesen und bin dabei zufällig auf ein paar Bookstagram Accounts gestoßen. Es war dann eine spontane Entscheidung, auch selbst einen Account zu starten und seit 2021 bin ich dabei.

Ich wollte mich dabei vor allem mit anderen Lesebegeisterten austauschen, weil in meinem Umfeld nur wenige Menschen überhaupt lesen. Und ich habe die Entscheidung bis heute nie bereut und liebe es, mich mit meiner Community über dieses schöne Hobby auszutauschen.

Wie hat BookTok oder Bookstagram deine eigenen Lesegewohnheiten verändert?

Ich lese mehr als vorher und ich lese andere Genres als vorher. Klar, ich hatte Harry Potter gelesen, aber ansonsten haben sich meine Fantasy-Erfahrungen auf Bibi Blocksberg und den kleinen Vampir beschränkt. Vor Bookstagram habe ich sonst fast ausschließlich Thriller gelesen.

Dass Romantasy heute mein Lieblingsgenre ist, hätte ich niemals gedacht. Die Izara Reihe von Julia Dippel hat damals meine Begeisterung für das Genre geweckt und seitdem liebe ich es.

Was macht für dich einen Account wirklich interessant – was bringt dich dazu, jemandem zu folgen?

Interessante Frage, die ich nur mit „kommt drauf an“ beantworten kann. Manchmal reicht ein einziger Post, der mich direkt überzeugt, dass ich sofort folge. Meistens klicke ich dann aber erstmal auf das Profil und schau mir ein paar weitere Posts an. Mir ist wichtig, dass ich irgendeinen Mehrwert für mich entdecken kann.

Ich wünsche mir eine abwechslungsreiche Mischung aus Beiträgen. Perfekt inszenierte Fotos sind für mich nicht relevant, mich interessiert mehr die Person hinter dem Account. Je mehr uns mit KI erstellte Beiträge begegnen, desto mehr freue ich mich über unperfekte, aber authentische Beiträge von echten Menschen.

Andrea Harings setzt auf echte Begeisterung

Zitat Andrea Harings

Was bringt dich dazu, ein Buch sofort kaufen oder lesen zu wollen?

Wenn ein Buch auf Bookstagram sehr gehypt wird, dann bin ich schon auch sehr verleitet, es sofort kaufen und lesen zu wollen. Wobei ich mittlerweile ganz gut einschätzen kann, ob ich wirklich sofort auf den Hype aufspringen will oder doch lieber mal ein bisschen warte.

Wenn es aber gehypte Fortsetzungen von meinen Lieblingsreihen sind, bei denen ich weiß, dass ich sie lieben werde, dann stehe ich auch am Erscheinungstag im Buchladen und kann es kaum erwarten. Fourth Wing und das Reich der sieben Höfe sind da so aktuelle Kandidaten.

Was überzeugt dich, ein Buch aktiv weiterzuempfehlen oder darüber Content zu machen?

Ich mache zu fast allen Büchern, die ich lese, auch Content und poste eine Rezension. Egal, ob mir das Buch gefallen hat oder nicht. Mir ist es wichtig, dass ich meine gelesenen Bücher authentisch bespreche und nicht nur Werbung für Bücher mache, die ich liebe oder weil ich sie als Rezensionsexemplar erhalten habe.

Ansonsten gilt aber schon: je mehr mich ein Buch begeistert, desto häufiger werde ich es in irgendwelche Beiträge einbauen, weil ich natürlich das empfehle, was ich selbst auch mag.

Welche Art von Kooperationen mit Autor:innen oder Verlagen findest du spannend und welche eher nicht?

Mir ist bei allen Kooperationen wichtig, dass ich mir selbst treu bleibe. Heißt, ich würde nur Dinge bewerben, hinter denen ich selbst stehe und bei Rezensionsexemplaren äußere ich meine Kritik genauso wie bei allen selbst gekauften Büchern. Ich frage aber insgesamt nur bei einigen Verlagen sehr gezielt Rezensionsexemplare an.

Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok-Creators geben?

Hab Spaß bei dem, was du tust. Ich lese so oft von anderen Creator:innen, dass sie gestresst sind, dass sie sich unter Druck setzen oder dass Bookstagram ihnen sogar die Lust am Lesen nimmt. Das ist es auf keinen Fall wert.

Man sollte sich vorher auch nicht zu viele Gedanken machen. Man braucht keine Strategie, keinen super Postingplan oder die super teure Ausrüstung für perfekte Videos. Einfach loslegen, Handy und Tageslicht reichen am Anfang, der Rest ergibt sich dann mit der Zeit von selbst.


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