InfluencerInterview

Jana Schneider bringt Tiefe auf Bookstagram

Buchcontent lebt nicht von schönen Covern allein. Er lebt von Menschen, die nach dem Lesen nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren können. Von Gedanken, die rausmüssen. Von Büchern, die etwas auslösen und von Creatorinnen, die daraus mehr machen als nur hübsche Posts.

Jana Schneider hat genau daraus ihre eigene Bookstagram Welt aufgebaut. Zwischen feministischer Literatur, Gegenwartsromanen, Freundinnenschaft und komplexen Figuren geht es bei ihr nicht um schnellen Hype, sondern um echte Auseinandersetzung mit Geschichten. Im Interview erzählt die Bloggerin, wie aus Leseliebe ein Side Hustle wurde, weshalb kreative Freiheit bei Kooperationen für sie entscheidend ist und warum gute Bücher manchmal noch lange im Alltag weiterarbeiten.

Jana Schneider im Interview

Interview Jana Schneider

Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?

Seit ich lesen kann, habe ich Bücher verschlungen und das Lesen geliebt. Ich hatte mein Leben lang eine Büchereikarte, sogar als ich nach dem Abitur für 2 Jahre nach Amerika gegangen bin und dort als Au Pair gearbeitet habe, hatte ich sowohl in Atlanta als auch in San Francisco eine Büchereikarte.

Mehr als ein Hobby wurde daraus erst 2024, als ich mich dazu entschieden habe, meinen Instagram-Account zu erstellen und dort öffentlich über meine Bücher zu sprechen. Wobei es auch dann noch ca. 1,5 Jahre „nur“ ein Hobby war, bis mein Account dann recht groß wurde und ich aufgrund der vielen Rezensionsexemplare und ersten bezahlten Kooperationen ein Kleingewerbe angemeldet habe.

Ab da ist für mich eigentlich erst der Punkt gekommen, wo es nicht mehr „nur“ ein Hobby war, sondern jetzt auch noch ein kleines Side Hustle, also eine zusätzliche Einnahmequelle.

Gibt es ein Buch, das dich besonders geprägt hat oder dich „in die Bücherwelt gezogen“ hat?

Für mich gibt es da tatsächlich gar nicht dieses „eine“ Buch, aber es gibt einige Bücher, die mich im Laufe meines Lebens am Lesen begeistern konnten und dazu beigetragen haben, dass ich immer weiter auf der Suche nach Geschichten bin, die mich in ihren Bann ziehen.

Früher waren das z. B. Hanni & Nanni, Bille & Zottel, Das Magische Baumhaus und dann natürlich auch die Freche Mädchen, Freche Bücher.

Heute fällt es mir viel schwerer, den Finger auf genau ein Buch oder eine Autorin zu legen. Aktuell begeistern mich vor allem Romane aus der Gegenwartsliteratur, die komplexe Familiendynamiken oder Freundinnenschaften darstellen und feministische Literatur.

Wie wählst du deine Bücher aus – eher spontan wegen Cover, Klappentext oder Empfehlungen?

Tatsächlich ganz unterschiedlich, es gibt definitiv auch mal spontane Cover-Käufe, allerdings muss dann der Klappentext auch ansprechend sein. Ich lasse mir aber auch sehr gerne Bücher empfehlen.

Nach zwei Jahren Bookstagram habe ich mittlerweile ein sehr gutes Gefühl dafür bekommen, welche andere Bloggerinnen einen sehr ähnlichen Geschmack wie ich haben und wenn diese Bloggerinnen dann ein Buch empfehlen, vertraue ich da sehr stark drauf.

Welche Genres oder Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?

Vor allem die Themen Feminismus, Freundinnenschaft und Selbstfindung interessieren mich aktuell sehr. Ich mag Geschichten und Charaktere, die nicht perfekt sind. Für mich braucht es kein Happy End, ich begleite beim Lesen viel lieber komplexe Charaktere, die Fehler machen und deren Entwicklung ich mitverfolgen kann.

Das macht es für mich viel nahbarer und regt mich zum Nachdenken an. Und genau das macht für mich auch ein gutes Buch aus: wenn ich im Alltag daran denke und es mich inspiriert, Dinge aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Jana Schneider

Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab? Wenn ja, wann entscheidest du das?

Bücher abbrechen fällt mir tatsächlich gar nicht leicht und ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich es bisher gemacht habe. Was seeehr wenig ist, wenn man wie ich über 100 Bücher im Jahr liest.

Ich habe oft „Angst“, dass ich dem Buch keine faire Chance gegeben habe, wenn ich nicht bis zum Ende gelesen habe.

Aber wenn ich merke, dass ein Buch mir die Lust am Lesen nimmt und ich einfach keinen Spaß daran habe oder es vielleicht auch einfach schlecht geschrieben/ lektoriert ist (ich hatte mal ein Buch mit unglaublich vielen Rechtschreib- und Kommafehlern), dann breche ich es ab.

Welche Autor:innen hast du zuletzt neu entdeckt und was begeistert dich an ihnen?

„Neu“ entdeckt habe ich letztes Jahr Jasmin Schreiber, Eva Lohmann und Anne Freytag. Von allen dreien habe ich zunächst ein älteres Buch gelesen und war direkt so begeistert, dass ich weitere Bücher gelesen habe und auch jedes neue Buch von ihnen lesen werde!

Jasmin Schreiber schreibt Geschichten, die mich emotional sehr berühren (ich musste bisher bei jedem Buch weinen!). Eva Lohmann transportiert ganz viel Ruhe Lebensweisheit in ihren Worten, die mich sehr inspirieren und Anne Freytag schafft es, vielschichtige Charaktere in verschiedensten (schwierigen) Lebenssituationen zu beschreiben und trotzdem einen gewissen Humor mit einzubringen.

Wie und warum hast du deinen Bookstagram-Account gestartet?

Zu dem Zeitpunkt, als ich meinen Bookstagram Account gestartet habe, war ich grade umgezogen und hatte in der neuen Stadt noch nicht wirklich Freundinnen.

Auch generell hatte ich in meinem Umfeld irgendwie niemanden, mit dem ich mich über die Bücher, die ich grade gelesen hatte und zu denen ich unbedingt auch eine zweite Meinung hören wollte, austauschen konnte.

Ich hab anfangs einfach Bilder von meinen Büchern in meiner privaten Instagram Story gepostet und habe dabei schon gemerkt, dass es mir immer Spaß gemacht hat, die Story schön zu gestalten und das Buch irgendwie in Szene zu setzen.

Die Resonanz auf meinem privaten Instagram Profil war aber eher bescheiden und daher habe ich mich dann entschieden, ein neues Profil zu erstellen, wo ich mich mit Leuten verknüpfen kann, die das Ganze auch tatsächlich interessiert. Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt wirklich gar keine Ahnung, wie groß diese Community bereits war und wie herzlich ich aufgenommen werden würde!

Wie hat Bookstagram deine eigenen Lesegewohnheiten verändert?

Ich lese definitiv viel mehr Neuerscheinungen durch Bookstagram! Außerdem gibt es mittlerweile schon auch mal die Situation, dass ich meine Lesezeiten fest planen muss und auch die Reihenfolge, in der ich Bücher lese.

Wenn z. B. eine bezahlte Kooperation ansteht, dann wird auch oft ein festes Datum vereinbart, an dem die Rezension dann veröffentlicht werden soll und dementsprechend muss ich dann natürlich schauen, dass ich das Buch auch rechtzeitig gelesen bekomme.

Bei Büchern, die ich wegen einer Kooperation lese, merke ich auch manchmal, dass ich während des Lesens schon nach Sätzen und Situationen „suche“, die mir Ideen für den entsprechenden Beitrag geben könnten. Da fühlt sich das Lesen manchmal schon eher nach Arbeit, als nach Abschalten an, aber was ein Privileg, dass ich das Lesen mal als Arbeit bezeichnen darf!

Durch aktive Anfragen von Verlagen und Autor:innen lese ich dann auch manchmal Bücher, die mir im Buchhandel vielleicht auf den ersten Blick gar nicht aufgefallen wären. Ich glaube schon, dass Bookstagram dahingehend auch mein Kaufverhalten beeinflusst hat und ich jetzt mit ganz anderen Augen durch die Buchhandlung gehe.

Jana Schneider liebt kreative Freiheit

Zitat Jana Schneider

Was macht für dich einen Account wirklich interessant – was bringt dich dazu, jemandem zu folgen?

Für mich zählt die Persönlichkeit und Kreativität der Person hinter dem Account. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich mich mit der Person auch im echten Leben gut verstehen würde, wir vielleicht einen ähnlichen Buchgeschmack oder die gleichen Interessen/ Hobbies haben, dann erleichtert das natürlich den Zugang in dieser parasozialen Beziehung total.

Ich persönlich möchte mich von anderen Accounts inspiriert fühlen und ein gutes Gefühl haben. Aber auch die Optik macht bei mir viel aus. Ich mag es, wenn ein Account ein stimmiges Gesamtbild abgibt, wenn man sieht, dass die Person sich Gedanken macht und ihre Personal Brand auch zu der Persönlichkeit passt.

Was bringt dich dazu, ein Buch sofort kaufen oder lesen zu wollen?

Wenn eine meiner Lieblingsautorinnen es geschrieben hat oder wenn meine beste Freundin es gelesen & geliebt hat! Auf ihre Empfehlungen konnte ich bisher immer vertrauen.

Was überzeugt dich, ein Buch aktiv weiterzuempfehlen oder darüber Content zu machen?

Ein Buch, das mich bewegt und/ oder irgendwas in mir auslöst, mich nicht mehr loslässt- darüber möchte ich dann unbedingt sprechen und auch andere Meinungen dazu hören! Aber auch wenn es einfach ein gutes Buch war, mit dem ich eine gute Zeit hatte und das ich genossen habe, das möchte ich dann auch gerne anderen ans Herz legen.

Aber es gab auch schon Bücher, die mir gar nicht gefallen haben und da hab ich mich dann auch mal geärgert, warum bestimmte Sätze oder Situationen heute noch so geschrieben und veröffentlicht werden. Auch das kann dazu führen, dass ich dazu Content mache und über mein Empfinden sprechen möchte.

Im Endeffekt ist der Account ja auch aus meinem Mitteilungsbedürfnis heraus entstanden, also dass ich nach dem Lesen eines Buchs einfach oft Redebedarf habe und dafür hab ich mir nun die Plattform geschaffen.

Welche Art von Kooperationen mit Autor:innen oder Verlagen findest du spannend und welche eher nicht?

Für mich persönlich sind vor allem Kooperationen spannend, in denen mir viel kreative Freiheit gegeben wird und nur der grobe Rahmen abgesteckt wird (also z. B. die Content-Art: Reel oder Slide-Show, wie viele Slides, wie viele Minuten?).

Was mich tatsächlich gar nicht reizt, sind sogenannte „Blogger-Touren“, die sehr verbreitet sind und wo ein ausgewähltes Team an Blogger:innen zu bestimmten Themen Content zum Buch machen.

Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok-Creators geben

Traut euch, macht den ersten Schritt und startet euren Account! Habt von Anfang an Spaß an der Sache und lasst euch nicht von anderen Accounts, die vielleicht schneller wachsen, verunsichern. Und wenn es irgendwann doch darum gehen soll, den Account größer zu bekommen, dann kann es auf jeden Fall helfen, sich eine Art „Marke“ zu überlegen.

Also bestimmte Farben, Schriftarten, Formate etc., die zu dir gehören und deinen Content wiedererkennbar und einzigartig machen. Aber das Wichtigste ist wirklich, dass du DEIN Ding machst und DU dich wohlfühlst.


Mehr von Jana Schneider gibt es auf Instagram. Dort teilt sie aktuelle Lesemomente, ehrliche Buchgedanken und inspirierenden Content rund um feministische Literatur, Freundinnenschaft und Gegenwartsromane.

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