InfluencerInterview

Martina Luger bleibt dem Buchblog treu

Buchcontent muss nicht immer laut, schnell oder trendgetrieben sein. Während Bookstagram viele Titel innerhalb weniger Tage zum Hype macht, bleibt Martina Luger dem klassischen Buchblog treu. Dort zählt nicht der perfekte Algorithmusmoment, sondern eine ehrliche Meinung, ein sauberer Blick auf Geschichten und die Frage, welches Buch wirklich hängen bleibt.

Ihre Leseliebe begann schon früh in der kleinen Pfarrbücherei und ist bis heute geblieben. Im Interview erzählt sie, warum Thriller, historische Romane und Dystopien sie besonders reizen, weshalb sie TikTok bewusst ausklammert und warum authentische Rezensionen wichtiger sind als Gefälligkeiten für Verlage oder Autor:innen.

Martina Luger im Interview

Interview Martina Luger

Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?

Ich lese, seitdem ich lesen gelernt habe. Schon als Kind habe ich jeden Sonntag in der kleinen Pfarrbücherei ausgeholfen und durfte mir dafür jede Woche Bücher mitnehmen. Oft bin ich mit fünf Büchern nach Hause gegangen und habe sie am nächsten Sonntag wieder zurückgebracht.

Lesen ist für mich bis heute vor allem ein Hobby. Mit meinem Blog verdiene ich kein Geld, aber er ist für mich ein wichtiger Ort geworden, um meine Leidenschaft für Bücher zu teilen und mich mit anderen Leserinnen und Lesern auszutauschen.

Gab es ein Buch, das dich besonders geprägt oder in die Bücherwelt gezogen hat?

Ein einzelnes Buch kann ich hier gar nicht nennen. Bei mir war es weniger dieser eine prägende Titel, sondern vielmehr das Lesen selbst, das mich von Anfang an begleitet hat. Die vielen Bücher aus der Pfarrbücherei, Empfehlungen von anderen und später der Austausch mit der Buchcommunity haben meine Leseliebe über die Jahre wachsen lassen.

Wie wählst du deine Bücher aus? Eher spontan wegen Cover, Klappentext oder Empfehlungen?

Ich stelle jeden Monat auf meinem Blog die Neuerscheinungen für den kommenden Monat vor. Deshalb recherchiere ich schon früh, welche Bücher erscheinen werden. Alles, was mich interessiert, wandert zuerst einmal auf meine Wunschliste.

Entscheidend ist für mich meistens der Klappentext. Der Hype um Farbschnitte und Cover geht eher an mir vorbei, auch wenn ich zugeben muss, dass mir manche Bücher dadurch natürlich schneller ins Auge fallen.

Welche Genres oder Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?

Ich liebe Thriller, besonders solche, bei denen nur eine begrenzte Anzahl an Personen an einem Ort zusammenkommt und diesen nicht verlassen kann. Diese abgeschlossene Atmosphäre finde ich sehr spannend.

Bei historischen Romanen interessieren mich vor allem Geschichten rund um die Jahrhundertwende von 1899 bis 1900 sowie Romane, die zur Zeit der beiden Weltkriege spielen. Außerdem lese ich sehr gerne historische Krimis und Dystopien.

Was ich bewusst meide, sind sehr spicy Bücher und der aktuelle Hype um Dark Romance. Das ist einfach nicht mein Genre.

Martina Luger liest jenseits des Hypes

Zitat Martina Luger

Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab?

Ja, ich breche Bücher auch ab. Die Entscheidung fällt mir oft schwer, aber wenn ich merke, dass ich mich regelrecht zwingen muss, wieder zum Buch zu greifen, dann ist das für mich ein klares Zeichen.

In den meisten Fällen versuche ich zwar, einem Buch eine faire Chance zu geben. Aber Lesen soll trotz Rezensionen und Blogarbeit immer noch Freude machen.

Welche Autor:innen hast du zuletzt neu entdeckt und was begeistert dich an ihnen?

Zuletzt habe ich Regina Denk für mich entdeckt. Besonders „Der Fährmann“ hat mir sehr gut gefallen. Mich hat vor allem die atmosphärische Erzählweise überzeugt und die Art, wie die Geschichte ihre Zeit lebendig werden lässt.

Wie und warum hast du deinen Buchblog beziehungsweise Bookstagram Account gestartet?

Mit klassischen Buchblogs fühlt man sich heute manchmal fast wie ein Außenseiter, aber ich werde meinen Blog trotzdem nicht aufgeben. Für mich ist er ein fester Teil meiner Lesewelt.

Bookstagram kam später dazu, weil Verlage mittlerweile mehr Präsenz und Reichweite erwarten, wenn man Rezensionsexemplare anfragt. Bei Instagram wird es für mich aber auch bleiben. TikTok kommt für mich aktuell nicht infrage.

Wie hat Bookstagram deine eigenen Lesegewohnheiten verändert?

Mein Stapel ungelesener Bücher wächst durch Bookstagram auf jeden Fall konsequent weiter. Man bekommt ständig tolle neue Bücher angezeigt und entdeckt Titel, die man sonst vielleicht gar nicht auf dem Schirm gehabt hätte.

Gleichzeitig sorgt der Austausch mit anderen Leserinnen und Lesern dafür, dass ich mich noch intensiver mit Büchern beschäftige.

Martina Luger

Was macht für dich einen Account wirklich interessant? Was bringt dich dazu, jemandem zu folgen?

Wichtig ist für mich, dass wir ungefähr ähnliche Genres lesen. Da meine Interessen recht breit gefächert sind, gibt es viele Accounts, die für mich spannend sein können.

Außerdem mag ich echten Austausch. Ich folge nicht nur, um Inhalte zu konsumieren, sondern freue mich auch über Kommentare, Verlinkungen und Gespräche. Für mich lebt Bookstagram genau von diesem Miteinander.

Was bringt dich dazu, ein Buch sofort kaufen oder lesen zu wollen?

Ein neues Buch eines Lieblingsautors oder einer Lieblingsautorin kann mich sofort neugierig machen. Wenn ich bereits weiß, dass mir der Stil gefällt, ist die Entscheidung meistens schnell getroffen.

Was überzeugt dich, ein Buch aktiv weiterzuempfehlen oder Content dazu zu machen?

Wenn ich eine Geschichte richtig toll fand und mir wünsche, dass auch andere sie entdecken, empfehle ich sie gerne weiter. Es gibt Bücher, bei denen man nach dem Lesen einfach möchte, dass möglichst viele Menschen ebenfalls in den Genuss dieser Geschichte kommen.

Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok Creator:innen geben?

Authentisch bleiben. Wenn einem ein Buch nicht gefällt, sollte man auch dazu stehen und es nicht nur aus gutem Willen besser bewerten. Ehrlichkeit ist wichtig, auch wenn das manchmal nicht ganz einfach ist.

Leider kann es vorkommen, dass Druck entsteht oder man das Gefühl bekommt, sich anpassen zu müssen. Umso wichtiger ist es, die eigene Meinung ernst zu nehmen und sich nicht erpressbar zu machen.

Was ist der ungewöhnlichste Ort, an dem du jemals gelesen hast?

Lesen kann man eigentlich überall. Einen besonders ungewöhnlichen Ort habe ich aber nicht im Kopf. Für mich zählt am Ende weniger der Ort als die Geschichte selbst.

Wenn du selbst ein Buch schreiben würdest, worum würde es gehen?

Ich werde definitiv selbst kein Buch schreiben. Ich bleibe lieber auf der Seite der Leserin und Bloggerin.


Mehr von Martina Luger gibt es auf Instagram. Dort teilt sie ehrliche Buchmeinungen, neue Rezensionen und Lesestoff abseits des schnellen Hypes.

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