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Die Bresche für Massentauglichkeit der E-Mobilität scheint geschlagen – von nun an geht es deutlich schneller voran

Es dürfte mittlerweile fast jeder mitbekommen haben, dass die anfängliche Stagnation der Entwicklung von breiter E-Mobilität überwunden ist und beträchtlich an Fahrt aufgenommen hat.

Das Thema ist nicht weiter ein Nischenthema für Ökos und Träumer von Autarkie vom Ölpreis, es ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Anteile von Fahrzeugen mit Elektroantrieb steigen sprunghaft, während die Gesetzgebung nach Kräften bürokratische Hürden aus dem Weg räumt.

Nicht nur auf dem Gebiet der E-Mobilität, sondern zugunsten der Akzeptanz von erneuerbaren, umweltverträglichen Formen der Energiegewinnung überhaupt, damit ist vor allem die Solarenergie gemeint. Die kann ja auch prächtig der E-Mobilität in die Hände spielen; sie sind ein gutes Tandem, was Ladestationen angeht.

Neue Trends und Entwicklungen in Österreich

Neue E-Mobilität Trends in Österreich

Freilich musste vor der breiten Akzeptanz in Staat, Gesellschaft und letzten Endes unter Endverbrauchern die technische Entwicklung erst einmal so weit ausreifen, dass elektrische Antriebe auf der Straße ernsthaft in die Nähe Leistungs- und Ausdauerüberlegener traditioneller Verbrennungsmotoren in Kraftfahrzeugen gelangten.

Die Parität ist zwar immer noch nicht erreicht, aber doch längst nicht mehr etwas, was man nur in den Wolken erahnen kann. Jahr um Jahr werden E-Autos stärker, schneller und halten länger aus, bis sie wieder an die Steckdose müssen. Der Endverbraucher misst sie allein daran und weniger danach, ob sie ihm ein reines ökologisches Gewissen bescheren oder nicht. Sie müssen sich im Alltag bewähren können.

Die Batteriereichweite hat sich dabei als Hauptkriterium herausgeschält, neben der Frage, wie flächendeckend Ladestrom unterwegs zu bekommen ist, und zu welchem Preis. Mehr als 200 km Reichweite sind für Autos und kleine Transporter seit 2020 normal und weiter am Steigen.

Für Kurzstrecken und kommerzielle Nutzung in Ballungsgebieten reicht das allemal aus, weshalb mehr als zwei Drittel aller in Österreich zugelassenen E-Fahrzeuge 2020 von Firmen gehalten wurden.

Der Anteil an E-Autos beträgt aktuell (Juni 2023) 19 % aller M1-Neuzulassungen im Land, bei einem Gesamtbestand von 132.466 E-PKW in Zirkulation. In Salzburg sind die meisten Neuzulassungen bundesweit zu finden. E-Autos (BEV) haben fast die Neuzulassungszahlen von Dieselfahrzeugen eingeholt, Erdgas- und wasserstoffbetriebene KFZ sind dagegen fast bedeutungslos.

Im Juni wurde ein neues EU-Gesetz zu Standards von Batterieherstellung und -entsorgung verabschiedet. Das auf der Koralpe (Kärnten) entdeckte Lithium Vorkommen wird eine große Rolle für die Batterieproduktion spielen, ab 2025 soll mit dem Abbau des Lithiumerzes angefangen werden.

Ferner ist die kürzlich erfolgte Einigung zwischen EU und USA auf einen gemeinsamen Standard für Megawatt-Ladesysteme, für schwere Nutzfahrzeuge der Zukunft, von Bedeutung.

Wo wir heute stehen

Die Übergangstechnologie des PHEV (Plug-in-Hybride), mit sowohl einem Verbrennungsmotor, als auch einem Elektromotor und Akku an Bord, scheint sich auf absehbare Zeit zu verabschieden, weil aufwändig zu konstruieren und darum in den Herstellungskosten teurer.

Die Voraussetzung dafür, dass der Hybrid nicht mehr gebraucht wird, ist natürlich eine weiter gesteigerte Leistungs- und Ausdauerfähigkeit des reinen Elektroautos (BEV – Battery Electric Vehicle), die dann den Rückgriff auf Vorzüge des Verbrennermotors obsolet macht. Der Grund, sich für einen PHEV zu entscheiden, ist bislang die Reichweite und die Geschwindigkeit. Der smart #1 spiegelt wider, was inzwischen für einen BEV des Massenmarktes möglich ist, obschon die Zahlen für das erste Halbjahr 2023 in Österreich auf austriatech.at den Tesla Model Y als meistgewählte E-Neuzulassung nennen.

Norwegen kann dagegen die Rolle eines Vorreiters für sich beanspruchen, denn hier sind drei Viertel aller PKW-Neuzulassungen BEV oder PHEV. Dass ausgerechnet General Motors (USA) der erste Konzern war, der mit der Erklärung, bis 2035 nur noch emissionsfrei PKW verkaufen zu wollen, der erste Autohersteller weltweit war, das Ende der fossilen Ära zu begründen, hat schon seine Ironie.

Wenn man von früher noch gewohnt ist, gerade amerikanische Marken für Spritfresser zu halten. Mit einer Modelloffensive aller Hersteller möchte die Industrie bis 2024 600 neue Modelle von E-Autos vorstellen.

Die Politik übt eine entscheidende Rolle beim Boom der E-Mobilität aus

Die europäische Politik hilft hier nach, denn die Vorgabe an die Hersteller lautet, bis 2030 die Emissionen um fast 40 Prozent herunterzufahren, oder es gäbe Strafzahlungen von 95 Euro pro Gramm CO2, das mehr erzeugt wird, als von der EU-Norm gestattet.

Bemerkenswert ist also, dass weniger die Nachfrage durch Endverbraucher oder ein Drang der Automobilindustrie nach Innovation die E-Mobilität zuletzt so zügig vorangebracht haben, sondern die richtungsweisende Politik, und zwar europaweit.

Abbau von Bürokratie und Kaufanreize durch Steuervorteile haben auf breiter Front neben der Absicht, sich von fossilen Rohstoffen und verbundener Umweltbelastungen freizumachen, immer mit den Klimazielen vor Augen, eine Wende eingeleitet, die man vorher der Politik als Innovationsmotor wohl kaum zugetraut hätte.

Schon gar nicht übergreifend in allen europäischen Mitgliedsländern. Die EU steht nicht allein; die Biden-Adminstration in den USA verficht Klimaziele und selbst China gibt für seinen Markt Vorgaben aus, für den E-Anteil an neuen Fahrzeugen, nämlich 20 % bis 2025.

Fazit

E-Mobilität trägt tatsächlich enorm dazu bei, fossile Rohstoffe wie Öl in Zukunft liegenlassen zu können, was ein enormer Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels sein wird, schon weil sich der Trend weltweit bemerkbar macht. Die Verbreitung von E-Fahrzeugen wird der Forschung verstärkte Impulse zurückgeben, auf diesem Gebiet weiter voranzuschreiten, denn nun hat man Planungssicherheit.

E-Antriebe werden immer leistungsfähiger, Batteriesysteme immer ausdauernder Energie speichern. Im Zusammenspiel mit verbreiteten Ladestationen in der Fläche, wie auch bei fast jedem Autofahrer zu Hause, mit Solarkollektoren auf dem Dach und einem Stromspeicher im Haus, wird die Versorgung mit Strom, und zwar richtig preiswertem Strom, immer leichter und selbstverständlicher. Das ist doch ein Grund, mal richtig optimistisch zu sein.

 

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